Interview mit CROW x CLASS


AnN. Stellt euch doch bitte kurz vor:
Kurona: Ich heiße Kurona und bin der Sänger, Wadaiko-Spieler und Bandleader.
Shion: Ich heiße Shion und spiele das Koto.
Kanade: Ich heiße Kanade und spiele das Shamisen.

AnN. Wie würdet ihr die Musik jemandem erklären, der noch nie von euch gehört hat?
Ku: Wir sind eine Rockband, die traditionelle japanische Instrumente benutzt.

AnN. Wie habt ihr als Band zusammengefunden?
Ku: Unsere Entstehung, wann war das... da wir uns in Japan zusammengefunden haben, ist die Entstehung von Crow x Class wie die der Krähen.
Shi: Krähen können sich in Menschen verwandeln.
Ku: Krähen verwandeln sich in Menschen...
Shi: Laut einer Legende. 
Ku: Im Visual Kei gibt es ein bestimmtes Szenario, das der Krähe. Die Krähe steht für Metamorphose, Veränderung des Menschen. Über dieses eigentlich traditionelle Shamisen-Stück haben wir uns kennengelernt und unsere Band gegründet.

AnN. Wo lagen und liegen vielleicht auch die Schwierigkeiten beim Komponieren?
Shi: Japanische Instrumente sowie Instrumente wie Gitarre, Bass, Schlagzeug in eine Harmonie und in Balance zu bringen, ist das Schwierigste.

AnN. Wie sieht die Visual Kei Szene in euren Augen aus und wo habt ihr dort euren Platz?
Ku: Die japanische Visual Kei Szene hat ihren Ursprung in Japan. Mittlerweile gibt es viele japanische Bands, die traditionell japanische, bzw. typisch japanische Musik produzieren. Unsere Identität zeichnet sich dadurch aus, dass wir diese klassische japanische Musik mit Rockmusik verbinden. Wir übertragen diese und kombinieren die klassische japanische Musik mit dem Style des Visual Kei.

AnN. Welche Instrumente spielt ihr noch?
Ku: Viele verschiedene...
Shi: Welche denn noch? (überlegt eine Weile) Bass sowie Schlagzeug, da ich lange in einer Rockband gespielt habe.
Ka: Ich spiele noch Percussions sowie Instrumente der Folklore, auch aus China und weiteren Ländern. Das ist ein Hobby von mir.

AnN. Welche Vorbilder habt ihr und wie haben sie Einfluss auf eure Musik und die Entstehung der Band?
Ku: Das sind ganz unterschiedliche...
Ka: Was die Musikszene betrifft, so haben wir Einflüsse aus dem Visual Kei wie X-Japan, Luna Sea... Diese Personen haben den Visual Kei weltweit bekannt gemacht, nicht nur in Japan, sondern von Japan aus in der ganzen Welt. Sie haben diesen Stil populär gemacht. Das ist wirklich großartig und verdient Respekt.

AnN. Welche Wünsche habt ihr für die Entwicklung eurer Band in den nächsten fünf Jahren?
Ku: Wir möchten traditionelle japanische Musik ergreifen, sie mit Rock verbinden und Musik produzieren, die wir jetzt noch nicht produzieren können. Wir möchten mehr erlernen, Schritt für Schritt unser Muster erweitern und uns so fortwährend entwickeln.

AnN. Habt ihr konkrete Pläne für die nächste Zeit? Arbeitet ihr an Singles oder sogar an einem Album?
Ku: Wir haben einiges vor. Wir haben noch Vieles nicht veröffentlicht, weil wir auf den richtigen Zeitpunkt warten. Es gibt über das erste Album hinaus noch Stücke, die sich sammeln und für deren Veröffentlichung wir auf den richtigen Moment warten. Hinzu kommt, dass wir natürlich an neuen Stücken arbeiten werden.

AnN. Welche Musik hört ihr privat?
Ka: Jazz... Ich höre sehr viel Jazz. (Die anderen Bandmitglieder reagieren überrascht)
Ku: Aufgrund deines Berufs?
Shi: Ich höre viel Musik, in der nicht gesungen wird, sondern eher instrumentelle Stücke. Da ich ja selber beruflich spiele, gibt es Tage, an denen ich versuche, so wenig wie möglich Musik zu hören. Wenn ich zuviel Musik von anderen höre, dann neige ich dazu, sie zu kopieren. Mitten in meinen eigenen Melodien kopiere ich dann andere. Daher versuche ich so oft wie möglich auch keine Musik zu hören.
Ku: Normalerweise versuche ich auch keine Musik zu hören. Wenn ich Musik höre, dann handelt es sich dabei um Folkloremusik aus verschiedenen Ländern. Beispielsweise [Johann Casper von] Kerll, indische Tabla, Musik der Roma aus Griechenland. Die meiste Zeit höre ich mir aber die Bands von Freunden an.
Shi: Unsere Freunde machen ebenfalls Musik in Bands.
Ku: Harte Sachen. Rock aus den 60ern und 80ern, wie z.B. Guns N’ Roses, Judas Priest und Halloween.

AnN. Wie läuft bei euch die Entstehung eines Songs ab? Beschreibt doch bitte einmal den Prozess.
Ku: Bei Crow x Class ist jeder von uns ein Songwriter. Jeder schreibt seinen Teil der Songs, die Noten zu den jeweiligen japanischen Instrumenten. Dann schreiben wir die Percussions und fügen die Gesangsstimme hinzu. Plus, wenn der Ton fertig ist, arbeiten wir an der Performance.

AnN. Was inspiriert euch und in welchen Situationen habt ihr die besten Einfälle?
Ka: Das ist bei jedem anders. Bei mir ist es, wenn ich unterwegs bin. Im Auto, wenn ich spazieren gehe, wenn sich alles um mich herum verändert und eine gewisse Geschwindigkeit hat.
Shi: Bei mir ist es ein vollständig dunkler Raum. Oder auch mit einem guten Freund Sessions zu machen, Live Auftritte zu machen. Die derzeitigen Auftritte sind ebenfalls eine gute Umgebung dafür. Die Live Auftritte sowie die ruhigen, dunklen Räume sind für mich am Besten.
Ku: Wenn ich etwas kreieren will, dann bin ich der „Bäm“-Typ (sehr schnell). Ich öffne meine Kladde – nicht den PC! – und stelle mir vor, ich sähe alles von der Zuschauerperspektive aus. Ich frage mich dann, was ich objektiv betrachtet machen würde und so kreiere ich die Musik und die Texte.

AnN. Was ist euer Eindruck vom Konzert gestern? Wurden eure Erwartungen erfüllt?
Ku: Unsere Erwartungen wurden mehr als erfüllt, auch bezüglich der Reaktion von allen. Wir haben auch mal in einer Classic Hall gespielt und alle saßen auf ihren Plätzen. In den meisten Fällen ist es leise, wenn das Wadaiko oder das Shamisen gespielt wird. Es fühlt sich so an, als lauschen alle der Musik. Am Ende jedes Liedes wird applaudiert. Dies war gestern nicht der Fall. Alle kamen zur Bühne, sie standen, sie beteiligten sich. Das hat uns sehr viel Freude bereitet.

AnN. Sind damit eure Erwartungen erfüllt worden oder habt ihr vielleicht noch weitere Wünsche?
Ku: Wir möchten mit der Musik eine Atmosphäre aufbauen, eine Atmosphäre geben. Jedenfalls wäre es großartig, mit der Musik eine Verbindung zwischen Japan und Deutschland aufzubauen und das Interesse an Spielern traditionell japanischer Instrumente zu stärken.

AnN: Was steht für euch im Vordergrund? Die Fans, die Live-Auftritte, die Aufnahmen oder Sonstiges?
Ka: Der japanische Stolz. Da wir japanische Instrumente spielen, sprich mit Instrumenten, die in Japan entstanden sind. Wir mögen dies sowie unsere Instrumente. Wir möchten gerne, dass so viele Menschen wie möglich diese Instrumente hören. Auch Visual Kei gehört zur japanischen Kultur. Zu der neueren Kultur. Wir nehmen beide Kulturen und führen sie den Japanern vor, da dies zu 100% Original ist. Nur wir sind dazu in der Lage, dies auf unsere Art und Weise zu machen. Auch wenn man sich in der ganzen Welt umschaut, so sind wir diejenigen, die einen solchen Auftritt machen können, die eine solche Perfomance zu Stande bekommen. Diejenigen, die diese Auftritte mit einem solchen Stolz vollziehen.

(Nachfrage - Inspiration)
Ku: Obwohl die traditionellen Instrumente sehr interessant sind, sieht man sie normalerweise nicht im Entertainment. Ich habe daher überlegt, wie man sie für die Allgemeinheit interessant machen könnte. Also habe ich lange darüber nachgedacht, wie man das Interesse dafür wecken könnte, wie man diese Musik auch für andere spannend gestalten könnte.

AnN. Nun ein paar Fragen, die weniger mit eurer Musik zu tun haben und über die die Leser mehr über euch erfahren.
AnN: Wenn ihr der japanische Premierminister wäret, was wäre eure erste Amtshandlung?
Ka: Mehr Privatsphäre für sich zu haben. Aber wie sollte man das Umsetzen...
Ku: In Japan ist es so, dass man verhaftet wird, wenn man spät nachts, nach Mitternacht, in die Tanzclubs geht. Es gibt ein entsprechendes Gesetz. Nach Mitternacht kann man in keine Clubs mehr gehen. Aber die Menschen möchten natürlich tanzen, daher machen sie es heimlich. Aber wenn es herauskommt, werden sie verhaftet. Viele japanische Künstler erheben ihre Stimme dagegen. Es ist auch schlecht für unsere Musik. Es würde viel Freude bringen und die Kultur bereichern, wenn man dieses Gesetz abschafft.
Shi: Auch wenn man kein Geld hat, sollte man in sein Heimatland Japan zurückreisen können. Wenn es um etwas Wichtiges geht, dann sollte man schnellstmöglich zurück kommen können.

AnN: Welche Superkraft würdet ihr euch wünschen?
Ku: Da ich recht leicht und zurückhaltend bin, würde ich mir mehr Kraft in den Händen wünschen.
Shi: Ich würde mich gerne in Tiere verwandeln können.
Ka: In welches Tier denn?
Shi: In jedes Tier. … Schimpansen, Chamäleon... (alle sind still) Das ruft ja eine großartige Stimmung hervor!
Ka: Was mich angeht... Der Flug nach Deutschland dauerte 12 Stunden. Wenn ich mich einfach irgendwo auftauchen lassen könnte, wäre das großartig.

AnN: Wie stellt ihr euch Utopia vor?
Shi: So wie die jetzige Welt.
Ka: Bei mir ebenfalls. Auch wenn es manchmal schwer ist, können wir normal leben. Wir können uns nach oben arbeiten und wir können Spaß haben.
Ku: Ich würde noch was hinzufügen. Bezüglich der Musik wäre es schön, wenn es die Gefühle und die Stimmung, die man ausdrücken möchte, mittragen könnte, bzw. die ursprünglichen Gefühle mitnehmen könnte. Man schafft es nicht immer, diese herüber zu bringen, aber wenn alles gemeinsam ankommen würde, wäre dies großartig.

AnN: Habt ihr Haustiere?
Shi: Ich habe keins. Aber früher hatte ich eine Katze.
Ka: Ich hatte mal einen Hund. Aber der ist leider verstorben.
Ku: Ich liebe Katzen. Aber ich bin auf Katzenhaare allergisch. Daher kann ich keine haben.

AnN: Wie relaxt ihr?
Ku: Während den Auftritten. Die Aufnahmen sind immer aufwendig. Nachdem wir ein neues Stück geprobt haben, ist es etwas anders, danach wird man immer besonders müde. Aber während der Konzerte geht alles automatisch. Das ist sehr entspannend.
Ka: Wenn ich Alkohol trinke. Dabei kann ich leichter die Gefühle los lassen. Natürlich sitze ich dabei mit Freunden zusammen.
Shi: Im Sonnenschein. Wenn ich im Sonnenlicht bade.

AnN. Bitte gebt uns eine Message für unsere Leser.
Wir von Crow x Class würde uns wünschen, dass ihr die traditionell japanischen Instrumente beachtet und mit der in Japan entstandenen Visual Kei Kultur vereint. Etwas, was nur wir ausdrücken können und dies mit Musik vermitteln. In Japan sind viele verschiedene Kulturen aus der ganzen Welt vereint. Gegenstände aus Tatami, Spaghetti die mit Stäbchen gegessen werden, Rock und traditionelle Musik, wie sie von uns vereint wird. Der Sinn von dem ist, etwas von dem jetzigen Japan sowie von dem traditionellen Japan in die Welt, an euch, herauszutragen. Wir sind die einzigen, die dies auf unsere Art und Weise tun können.